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Helme für Radfahrer
Helme für Radfahrer - Positionen, Tipps und Informationen Juli 2003

Zum Thema Helme für Radfahrer erreichen den ADFC immer wieder Anfragen. Manche Radfahrer möchten wissen, ob es in Deutschland eine Verpflichtung zum Tragen von Fahrradhelmen gibt - wenn nicht allgemein, so doch vielleicht in bestimmten Gegenden, für bestimmte Altersgruppen oder bei Fahrten im geschlossenen Verband. Andere möchten sich einen Fahrradhelm kaufen und fragen nach, welches Modell der ADFC empfiehlt. Und wieder andere weisen auf Untersuchungen hin, denen zufolge Fahrradhelme keinen Zugewinn an Sicherheit bringen, und wenden sich gegen jede Beratung in Sachen "Fahrradhelm" durch den ADFC.

Die Rechtslage

In Deutschland besteht generell keine Helmpflicht, weder für Radfahrer im allgemeinen noch für bestimmte Altersgruppen, in bestimmten Regionen oder bei Gruppenfahrten. Da es keine Helmpflicht gibt, gilt das Fehlen eines Fahrradhelmes bei einem Unfall auch nicht als Mitverschulden.
Die Position des ADFC

Der ADFC weist Forderungen nach einer Helmpflicht als untauglich zurück. Es ist seit langem übereinstimmende Meinung aller Experten und der Bundesregierung, dass eine Helmpflicht weder durchzusetzen noch zu kontrollieren sei. Sie würde aber die Fahrradnutzung drastisch sinken und damit den Autoverkehr steigen lassen. Dies ist weder umwelt- noch gesundheitspolitisch zu verantworten. Wichtig ist es allerdings, das Helmtragen durch Aufklärung zu fördern, Tempolimit 30 innerorts einzuführen und der gegenseitigen Rücksichtnahme zur Geltung zu verhelfen. Die Bundeshauptversammlung des ADFC hat sich mehrfach gegen jegliche Tendenzen ausgesprochen, eine Helmpflicht für Radfahrer einzuführen.

Im Beschluss der Bundeshauptversammlung vom 23./24.05.98 in Berlin heißt es:

Der ADFC geht gegen jegliche Bemühungen vor, eine Helmpflicht herbeizuführen. Speziell spürbaren Tendenzen, das Fahrradfahren ohne Helm als unverantwortbar gefährlich darzustellen und so eine mögliche Helmpflicht heraufzubeschwören, wird der ADFC künftig mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln aktiv entgegentreten, um ernsthafte Forderungen nach einer Helmpflicht gar nicht aufkommen zu lassen.

Dazu gehört insbesondere:

Er bemüht sich darum, die Helmdiskussion auf wissenschaftlich fundierte Grundlagen bezüglich Nutzen und Grenzen der Schutzwirkung von Helmen zu stellen und insbesondere auch kritische wissenschaftliche Veröffentlichungen als Gegenargumente zu einer möglichen Helmpflicht zu sammeln und bekannt zu machen. Auf Grundlage dieser wissenschaftlich fundierten Argumentation bemüht er sich darum, bei Institutionen - Versicherungen, Ministerien, Verbänden, Multiplikatoren, Medien - Tendenzen entgegenzutreten, die einen sozialen oder juristischen Druck zum Helmtragen erzeugen. Bei Helmberatungen und Helminfos des ADFC wird grundsätzlich auch über wissenschaftlich fundierte Zweifel an der Schutzwirkung und Notwendigkeit von Helmen berichtet, so sie bekannt sind." Argumente gegen die Helmpflicht
Argumente gegen die Helmpflicht

Ein Hauptargument gegen eine Helmpflicht ist der damit verbundene Rückgang der Fahrradnutzung insgesamt. So wurde beispielsweise 1991 in Australien eine landesweite Helmpflicht für Radfahrer gesetzlich verordnet. Dies führte zu einem dramatischen Einbruch des seit Jahren anhaltenden australischen Fahrradbooms.

So belegt eine Studie von Dorothy L. Robinson an der University of New England in Armindale (New South Wales) , dass im Bundesstaat New South Wales zwar nach Einführung der Helmpflicht der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 16 Jahren, die einen Helm trugen, von 31 Prozent auf 76 Prozent anstieg. Im selben Zeitraum nahm die Zahl der Rad fahrenden Kinder jedoch massiv ab:

Gegenüber 1991 waren im Jahr 1992 36 Prozent weniger Kinder mit dem Fahrrad unterwegs, im Jahr 1993 betrug der Rückgang im Vergleich zu 1991 sogar schon 44 Prozent Die Zahl der Kopfverletzungen sank zwar in absoluten Zahlen, zur Zahl der Radfahrer ins Verhältnis gesetzt nahm sie hingegen zu. Radfahren wurde offenbar für die verbliebene Zahl Rad fahrender Kinder gefährlicher.

( Dorothy L. Robinson, AGBU, University of New England, Armidale, NSW 2351, Australia: Head Injuries and Bicycle Helmet Laws, Accident Analysis and Prevention, volume 28, number 4, pages 463 - 75 (1996) in: ADFC Forschungsdienst Fahrrad Nr. 282. www-2.informatik.umu.se/adfc/fdf/fdf-282.html )

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass bei zunehmendem Radverkehr das individuelle Verletzungs- und Todesrisiko abnimmt. Umgekehrt kann man vermuten, dass bei sinkendem Radverkehr das individuelle Risiko steigt. Robinson folgert, dass das Bewusstsein um die Radfahrer, einschließlich der Anzahl der Radfahrer auf der Straße, und das allgemeine Verkehrsklima einen größeren Einfluss auf die Sicherheit von Radfahrern haben als das Tragen von Helmen. Auch bei den zwischen 1992 und 1994 in New South Wales getöteten oder schwer verletzten Radfahrern lässt sich kein höherer Schutz der Helmträger ableiten: 80 Prozent der Getöteten trugen Helme, was ziemlich genau dem Anteil der Helm tragenden Radfahrer entspricht.

Die positiven Gesundheitseffekte des Radfahrens, auch ohne Helm, gleichen die Gesundheitsgefährdung durch Verletzungen bei weitem aus. Deshalb bedeutet eine gesetzliche Regelung, deren größte Auswirkung eine Verminderung des Radfahrens ist, einen Wohlfahrtsverlust für das Land.
Beratung zum Thema Helme

Helme sollten immer freiwillig getragen werden. Insbesondere Kindern gegenüber sollte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger gearbeitet werden, sondern es sollten die positiven Aspekte des Helmtragens hervorgehoben werden. Gute Fahrradhelme haben schon bei manchem Unfall schwere Kopfverletzungen verhindert, ein umfassender Lebensretter sind sie allerdings nicht. Wenn es "kracht", ist bei Radfahrunfällen neben den Beinen vor allem der Kopf betroffen. Dabei wirken oft Kräfte auf den Körper ein, die auch der beste Helm nicht abfangen kann - beispielsweise beim frontalen Zusammenstoß mit einem schnellen Auto. Fahrradhelme schützen - richtig aufgesetzt - vor allem Gehirn, Schläfen und Stirn. Allerdings ist darauf zu achten, dass der Helm nicht zu "sportlichem", d.h. riskantem Fahren verleitet Aber auch mit Helm ist eine umsichtige und defensive Fahrweise mit einem technisch einwandfreien Fahrrad der beste Unfallschutz.
Weiterführende Links

Forschungsdienst Fahrrad Nr. 282, Studie von D.L. Robinson zu den Auswirkungen der Helmpflicht in Australien, 1996 http://www-2.informatik.umu.se/adfc/fdf/fdf-282.html

Weitere Daten zur Studie von D.L. Robinson http://www.adfc-bw.de/texte/helm/helm.htm

Informationen zu einer Untersuchung von Paul A. Scuffham und John D. Langley zur Helmpflicht in Neuseeland, 1997 http://www.ingokeck.de/publikationen/radhelm/rhwirkungslos/

www.adfc-rodgau.de
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